Capturada en la jaula dorada – o mejor: de acero! [=Gefangen im goldenen, oder eher: stählernen Käfig]

Das war er schon, der erste Monat. Die Zeit ist zwar einerseits gerast, aber wenn ich an die ganzen Ereignisse und Anfangsschwierigkeiten denke, finde ich auch: Gut, dass es so ist (und dass man das alles nie vorher weiß).

Die Uni hält uns stets in Schach, es kommt keine Langeweile bzw. Freizeit auf. Aber man gewöhnt sich daran. Man gewöhnt sich an so vieles. Zwei Beispiele: „Voy a venir ahorita“ [=“Ich komme jetzt gleich vorbei.“] Das kann heißen: jetzt (unwahrscheinlich), morgen (vielleicht), in 3 Tagen (schon eher) oder evtl. noch diese Woche (am wahrscheinlichsten).  „Dejame checar…“ [=Lass mich gucken, ob…] Freundlich gemeintes Hilfsangebot, aber die Erfolgsquote läuft gegen Null. Keine Erwartungen aufbauen.

Vielleicht muss man sich wirklich erst an eine gewisse Dosis von dem Zeug gewöhnt haben, das hier alle rauchen und Haupteinnahmequelle der mexikanischen Wirtschaft ist (aber pscht…), um so entspannt und z.T. gleichgültig sein zu können. Gracias, no fumo. [=Danke, ich rauche nicht!]

Ein Nachteil, der uns jetzt langsam bewusst geworden ist: Wir haben unseren Stundenplan nicht gerade clever organisiert. Während andere Austauschstudenten nur Di. und Do. einen langen Uni-Tag haben, müssen wir jeden Tag ein oder zweimal hin und haben Fr. bis um 6 Unterricht. Deshalb können wir uns den anderen auf deren Wochenend-Trips nicht wirklich anschließen, ohne Fehlstunden zu bekommen. Das wäre nicht das Problem (wir können ja 4- bzw. 6 mal fehlen), aber wir haben auch jeden Fr. ein Quiz, das wir so verpassen würden.

Mal sehn, ich hoffe, dass es trotzdem mal möglich sein wird, aus dem Klein-Amerika hier rauszukommen – wenn möglich, nicht erst zu den Feiertagen Mitte September. Nachricht der Woche: Seit dem Wochenende verfüge ich über den unendlichen Luxus eines Insekten- bzw. Kleintierabwehrkäfigs – als „Moskitonetz“ möchte ich den stählernen, grauen, grobmaschigen Käfig ungern bezeichnen. Und das unglaubliche daran: Er scheint die Mücken mit seiner unglaublichen Hässlichkeit abzuschrecken!

Wahrscheinlich haben sich auch sämtliche Käfer, Pseudomücken, Bernds und sonstiges Ungeziefer im ganzen Umkreis totgelacht, als sie gesehen haben, wie das Ungetüm angeschraubt wurde. Auch gut. Es laufen z.Z. noch einige Versuche, die die (letztendlich möglichst stich-freie) Kobination folgender Elemente testen soll: Fenster auf/zu, Licht an/aus, Ventilator an/aus, Autaun drauf/nicht drauf, dt./span. Musik laut/leise ;-) … Weitere Erkenntnisse folgen!

Desweiteren haben wir (Woifi, Ania und ich) Sonntag einen 10-km-Lauf des mexikanischen Riesensupermarktes Soriana mitgemacht. (Fotos!) Anfangs habe ich mich etwas über den ganzen Aufwand lustig gemacht, der betrieben wurde (Krankenwagen, Wasserstände nach jedem km, Straßensperrungen, Essensausgabe im Ziel etc.). Schließlich sind 10km ja in max. 1-1,5h zu schaffen, aber gut… was ich nicht ahnte: es traten 8000 Läufer an! Groß, klein, dick, dünn, alt, jung, fit, moppelig – alles war dabei. Fotos folgen in Kürze!

Der Brüller schlechthin: Woifi (Wolfgang aus Österreich) hatte sich nicht persönlich angemeldet, sondern Ania beauftragt. Die überaus fähigen Mitarbeiter an der Information in dem Supermarkt Soriana, die die Anmeldung entgegengenommen hatten, hatten sein Geburtsjahr mit dem Alter vertauscht. Er trat also in der Kategorie ‚Senioren‘ an und hatte eine Startnummer über 5000, während Ania Nummer 500+x und ich 270 hatten!

Aber Kompliment: für seine 87 Jahre keine schlechte Kondition! Und vorbildlicher (Chlor-)Wasserträger! Zitat Ania: „Das Wasser schmeckt wie schlechte Milch…“ Aber gut, bei der Hitze und der Anstrengung sind einem dann auch die feinen Nuancen des Wasseraromas egal. Fazit bzw. Ausbeute? 63 min, Medaille, Trikot, Trinkflasche und diverse andere Sachen.

Wir schätzen, dass wir am Ende des 1. Drittels liegen. Unsere Urkunden geben diverse unverständliche Platzierungen an, u.a. bin ich in meiner Kategorie (19-24 Jahre wbl.) 23. von 49. Aber mal ganz abgesehen von den ersten Kenianern, die nach 29 min ins Ziel kamen… Auf jeden Fall war’s ein tolles Erlebnis und auch das frühe Aufstehn (5:45 Uhr) an einem Sonntag(!) wert. Das soll’s vorerst gewesen sein. Fazit des Tages: (Leider) Keine Macht dem Schwarzbrot! Alle Macht den Tacos, Tortillas und Tequilla!

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