Mogli – Eine mexikanische „Reisebekanntschaft“

Dies ist ein Beitrag zu Christophs Blog-Parade zum Thema Reisebekanntschaften. Ich habe bisher noch nicht davon erzählt, aber die Gelegenheit bietet sich an, um von einer für mich entscheidenden Person in den Jahren 2008 bis 2011 zu erzählen.

Während meines Auslandssemesters in Mexiko gab es eine sehr wichtige Bekanntschaft für mich. Bekanntschaft ist eigentlich untertrieben. Die Beziehung sollte zweieinhalb Jahre andauern, mich sehr bereichern, mir Spanisch beibringen, aber mich auch ziemlich bitter enttäuschen. Aber fangen wir von vorne an.

Im Juli 2008 ging es für mich und eine Freundin nach Mexiko. Wir waren zufällig für die gleiche Uni in Monterrey im Norden Mexikos angenommen worden. Das war eine Elite-Schicki-Micki-Uni, an der jeden Tag die Schönen und Reichen (bzw. die Töchter und Söhne der Schönen und Reichen Mexikos) mit Jaguars und anderen edlen Autos vorfuhren.

Zunächst fragte ich mich, warum genau ich dort gelandet war. Die Antwort war simpel: bei der Recherche hatte ich die Unis in Betracht gezogen, die eine vernünftige Homepage hatten. Schließlich musste ich vorher recherchieren, ob ich meine BWL-Kurse belegen und anrechnen lassen konnte.

Jedenfalls war ich nun an dieser Privatuni gelandet und war die ersten vier Wochen relativ unglücklich. Pool-Partys mit Small Talk und die 1.000. Frage, wo ich denn herkomme, trösteten mich nicht.

Bis ich ihn traf. Nennen wir ihn: Mogli.

[Ich weiß nicht, wie cool Mogli es finden würde, wenn ich hier Fotos von ihm posten würde. Stell dir daher einfach einen hübschen, sportlichen Mexikaner vor :-P]

Er war einer der zwei Studenten an der ganzen Uni, der mit dem Rad jeden Morgen die überschaubare Strecke von zu Hause hinter sich brachte. Er machte fast täglich Yoga und ging klettern. Für Mexiko ist allein das schon eine kleine Revolution.

Durch Mogli konnte ich tiefer in die Kultur Mexikos eintauchen. Statt nach der Uni Däumchen zu drehen, entdeckte ich sogar neue Hobbys, wie z. B. Klettern. Es gibt keinen besseren Ort, um mit diesem Sport anzufangen!

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Ich war froh in die Natur und zu Veranstaltungen, aber auch in einen familiären Kreis aufgenommen zu werden und so das wahre Leben der Mexikaner ein wenig kennen zu lernen. Nach einigen Wochen wurde mein Spanisch immer flüssiger. Im Vergleich zu anderen Austauschstudenten, die sich untereinander überwiegend Englisch unterhielten, konnte ich mich immer besser verständigen.

ich am Felsen

Zu den Feiertagen reisten wir durch das Land. Wir wanderten, bestiegen einen Vulkan, fuhren Bus, Fähre, Jeep. Ich lernte den Norden mit Chihuahua kennen, den Golf von Mexiko mit Tampico und zum Abschluss des Semesters schließlich auch den Süden und die Hauptstadt. Diese Reisen hätte ich mir alleine wahrscheinlich nicht getraut. Als blonde Frau durch Mexiko zu reisen sehe ich als etwas gewagt an. Selbst zu zweit gab es ein paar brenzlige Situationen, in denen ich ungern alleine als herausstechende (Pseudo-) Gringa (US-Amerikanerin) dagestanden hätte.

Als ich kurz vor dem Jahreswechsel 2008/2009 wieder zu Hause ankam, erlebte ich erst mal einen kleinen Kulturschock. Nach einem Praktikum zur Überbrückung der Zeit bis zum letzten Semester, vergingen schließlich die letzten Bachelormonate in Frankfurt (Oder).

In der Zeit danach besuchten wir uns gegenseitig in großen Abständen. Im Sommer kam Mogli nach Deutschland. Im Winter flog ich wieder nach Mexiko. So überlebten wir in unserer Superfernbeziehung immerhin bis zum Sommer 2010. Dann kam Mogli nach Berlin, um Deutsch zu lernen und perspektivisch ein Masterstudium in Deutschland abzuschließen.

Aussicht auf ein Happy End?

Anfang 2011 trennte sich Mogli ohne große Vorankündigung. Damit hatte es sich ausgespanischt.

Zwar lese ich manchmal noch spanische Bücher, aber geredet habe ich seitdem fast gar nicht. Trotzdem bin ich dankbar für die Zeit mit Mogli. Ich hätte Mexiko nie so erlebt, wie ich es erlebt habe.

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