Wohnwagen-Führerschein: FAQ zu BE und B96

Dieser Artikel entstand in bezahlter Kooperation mit fun-und-pro.de.


Mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil wegzufahren hat viele Vorteile und erfreut sich daher großer Beliebtheit in allen Altersklassen. Egal, ob man ein paar Wochen auf heimischen Campingplätzen verbringt oder in der Elternzeit durch verschiedene Länder tingelt – im Vorfeld gilt es viel vorzubereiten. Ein entsprechender gültiger Wohnwagenführerschein darf dabei natürlich nicht fehlen.

Möchtest auch du in nächster Zeit einen Campingurlaub machen, weißt aber nicht, welchen Führerschein du dafür brauchst? In diesem Artikel erfährst du, ob dafür dein „normaler“ Autoführerschein ausreicht, wofür du eine Prüfung ablegen musst und wie du eine gute Fahrschule findest.

Das Wichtigste zum Wohnwagenführerschein

Welchen Führerschein brauche ich für den Urlaub mit dem Wohnwagen?

Die Antwort auf diese häufige Frage hängt vom zulässigen Gesamtgewicht des Gespanns ab:

  • Sofern es unter 3.500 Kilogramm liegt, genügt der normale Führerschein für PKW (Klasse B, früher Klasse 3).
  • Bei bis zu 4.250 Kilogramm benötigst du den B96-Führerschein, und zwar international.
  • Liegt das Gewicht darüber, ist der Zusatz BE erforderlich.

Übrigens: Selbst wenn du beim ersten Mal mit einem kleineren Anhänger unterwegs bist, den du mit deinem Führerschein der Klasse B fahren darfst – gewöhn dich vor der ersten Reise an die ganz besonderen Fahreigenschaften des Gespanns. Es gibt spezielle Trainings und auch Fahrschulen, die darauf ausgerichtete Stunden im Angebot haben.

Was, wenn ich bislang noch keinen Führerschein habe?

Dann musst du unbedingt zuerst den PKW-Führerschein machen. Sonst darfst du überhaupt keinen Wagen fahren.

Das Wichtigste zum Wohnmobilführerschein

Welchen Führerschein brauche ich für den Urlaub mit dem Wohnmobil?

Für ein Wohnmobil gelten fast die gleichen Regelungen wie für einen PKW. Der Unterschied zum Wohnwagengespann ist, dass ein Wohnmobil selbstfahrend ist. Das bedeutet laut Fahrlehrer Thomas Kuhn:

Du darfst ein Wohnmobil mit dem regulären Führerschein für PKW fahren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Wohnmobil höchstens mit 3.500 kg zulässiger Gesamtmasse zugelassen ist! Das tatsächliche Gewicht ist übrigens nicht ausschlaggebend.

Mit dem B96 Führerschein darf das Wohnmobil also maximal 3.500 kg wiegen. Darüber braucht man den LKW-Führerschein C1.

Was brauche ich, wenn ich bislang noch keinen PKW-Führerschein habe?

Den musst du unbedingt besitzen, wenn du ein Wohnmobil fahren möchtest. Danach entscheidest du selbst über das zulässige Gesamtgewicht deines Wunschfahrzeugs. In vielen Fahrschulen kannst du gleichzeitig die Fahrerlaubnis für schwerere Mobile absolvieren.

In jedem Fall ist es empfehlenswert, einige Übungsstunden mit dem Wohnmobil zu absolvieren. Die Ausmaße unterscheiden sich doch erheblich von denen eines gängigen PKW-Modells, wenn auch die erhöhte Sitzposition einen besseren Überblick bietet. Und die Fahreigenschaften sind ebenfalls anders als beim flachen PKW. Durch die hohe Form reagiert das Wohnmobil sehr empfindlich auf Seitenwinde, die insbesondere auf Autobahnen plötzlich und in starken Böen auftreten können.

Wie man den Wohnwagenführerschein bekommt

Wie lang dauert es, den B96-Führerschein zu machen?

Das hängt von der jeweiligen Fahrschule ab. Mit dem B96-Tageskurs von Thomas Kuhn klappt es bereits innerhalb eines einzigen Tages, so der Betreiber: „Schneller geht es unseres Wissens nicht, den B96-Führerschein zu machen.“

Seine Kurse beinhalten zweieinhalb Stunden Theorie, die speziell auf Anhänger ausgerichtet ist und die maximal vier Teilnehmer pro Kurs mit den Besonderheiten einer Caravan-PKW-Kombination vertraut macht. Daneben bietet er ein praktisches Anhängerhandling an, und zwar für viereinhalb Zeitstunden. Trotz der ausführlichen theoretischen Erläuterungen merkst du schnell, wie wichtig das praktische Training ist, bevor du mit dem Wohnwagengespann oder dem Wohnmobil eigenverantwortlich auf Reisen gehst.

Stell dir nur das Rangieren auf dem Zeltplatz vor, wo Autos, Anhänger und Zelte sehr dicht beieinanderstehen! Oder du gerätst auf regennasser Straße in eine brenzlige Situation und musst plötzlich bremsen. Wie verhält sich dann dein schweres Wohnmobil oder der Anhänger?

Beinhaltet der B96-Führerschein eine theoretische/praktische Prüfung?

Nein. Es genügt, wenn du bei der Fahrschule deiner Wahl das theoretische und praktische Training absolvierst. Du bekommst anschließend eine Bestätigung über die Teilnahme, gehst damit zur Führerscheinstelle und lässt den Schlüssel 96 eintragen. Vergiss nicht, deine Fahrerlaubnis und den Personalausweis mitzunehmen; außerdem ist ein aktuelles, biometrisches Passbild erforderlich.

Beinhaltet der BE-Führerschein eine theoretische/praktische Prüfung?

Ja, du musst eine praktische Prüfung ablegen, jedoch keine theoretische.

Wie viel kostet der PKW-Führerschein?

Bei der Fahrerlaubnis für PKW hängt der Preis hauptsächlich von der Anzahl der erforderlichen Fahrstunden ab. Und die variiert hängt davon ab, wie leicht dir der Umgang mit dem Auto fällt. Ein wesentlicher Faktor ist allerdings auch der Ort, an der dem Fachunterricht stattfindet. In Großstädten mit hohem Verkehrsaufkommen sind meist mehr Stunden nötig als in ländlichen Gegenden.

Darüber hinaus gibt es keine Gebührenordnung für Fahrschulen. Das bedeutet: Jede kann ihre Tarife selbst festlegen. Die Stundenpreise bewegen sich allgemein zwischen 40 und 70 Euro. Wichtig ist lediglich, dass alle Kosten offen und transparent dargestellt sind.

Die Prüfungsgebühren für Theorie und Praxis variieren in den einzelnen Bundesländern, schlagen allerdings nicht allzu sehr zu Buche.

Wie viel kosten die Wohnwagenführerscheine B96 und BE?

Auch für den theoretischen und praktischen Unterricht für den B96-Führerschein dürfen die Fahrschulen die Preise selbst festlegen. Sie bewegen sich zwischen 300 und 500 Euro. Da keine Prüfung erforderlich ist, entfallen die Kosten dafür.

Beim BE-Führerschein sieht es etwas anders aus: Hier ist ja eine praktische Prüfung Pflicht, die theoretische entfällt jedoch. Dafür sind Fahrstunden erforderlich – die Anzahl hängt vom Geschick des Schülers bzw. der Schülerin ab. Wie bei der Grundklasse B sind auch einige Sonderfahrten im Rahmen des Unterrichts zu absolvieren; dazu zählen Überland-, Autobahn- und Nachtfahrten.

Die Kosten für die praktische Prüfung belaufen sich auf mindestens 300 Euro.

Wo gelten die einzelnen Führerscheine?

Die Fahrerlaubnis der Klasse B ist in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft gültig. Darüber hinaus darfst du damit auch in anderen Ländern Europas fahren wie etwa in Großbritannien, der Schweiz, Norwegen und der Ukraine. Für Staaten in Amerika, Asien oder Afrika gibt es Sonderregelungen, die du am besten lange genug vor Reiseantritt erfragst. Sie können sich nämlich schnell ändern, wie z. B. in Saudi-Arabien. Hier war Auto fahren für lange Zeit ausschließlich Männern vorbehalten; erst seit 2017 dürfen auch Frauen – sogar Ausländerinnen – hinter das Steuer.

Vielfach gilt im Ausland zwar dein bisheriger Führerschein, allerdings mit einer zeitlichen Begrenzung. Häufig musst du eine befristete Fahrerlaubnis in dem jeweiligen Land beantragen.

Das gilt gleichermaßen für den Wohnwagenführerschein B96. Der Grund, so Thomas Kuhn, dass der B96 eine zweistellige Schlüsselzahl ist, die das Fahren von Wohnwagen im gesamten Kartenführerscheinraum erlaubt. Somit bezeichnet das Kürzel keine eigene Führerscheinklasse, sondern die Schlüsselzahl 96 ist lediglich eine Erweiterung der Klasse B.

Ab welchem Alter ist der B96- und BE-Führerschein erlaubt?

Auch hier gilt: Da der B96 eine Erweiterung des B-Führerscheins darstellt, gelten dieselben Regelungen. Das bedeutet: Ab dem 17. Geburtstag bekommst du den Führerschein ausgehändigt, darfst aber nur mit erfahrener Begleitung fahren. Die Begleitperson muss über 30 Jahre alt sein, darf höchstens 1 Punkt haben und muss in deinem Führerschein als Begleitperson eingetragen sein. Sobald du 18 bist, gilt diese Einschränkung nicht mehr. Das trifft ebenfalls auf den Führerschein BE zu.

Welche Sonderregelungen gibt es bei Wohnwagenführerscheinen?

Sonderregelungen gibt es tatsächlich. Der Grund: Die Regelung des Anhängerführerscheins BE existiert erst seit 1999. Wer also seine Fahrerlaubnis vorher erworben hat, in dessen Führerschein noch die damalige Klasse 3 eingetragen ist, durfte damals und darf immer noch etwa zum Camping fahren, solange das zulässige Gesamtgewicht 7.500 Kilogramm nicht übersteigt. Dem Caravaning oder dem Urlaub mit dem Wohnmobil steht also nichts mehr im Weg. Den Schlüssel B96 gibt es übrigens seit 2013.

Der Führerschein aus der ehemaligen DDR

Wenn du deine Fahrerlaubnis in der DDR erworben hast, wo damals die bundesdeutsche Klasse 3 bereits B hieß, darfst du auch jetzt alle dort eingetragenen Fahrzeuge ziehen. Und beim Umtausch in den EU-Führerschein im Kartenformat ändert sich nichts daran.


Wie finde ich eine gute Fahrschule?

Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten. Fest steht zumindest, dass der Preis pro Fahrstunde nicht zwingend einen eindeutigen Rückschluss auf die Qualität einer Fahrschule erlaubt. Wichtig ist allerdings, dass alle für dich anfallenden Kosten klar und transparent sichtbar sind. Entscheidend ist ein schriftlicher Vertrag, in dem alle Details genau aufgelistet sind. Weitere Aspekte findest du im Folgenden aufgelistet:

  • Fahrlehrerverband: Ein weiterer bedeutender Aspekt ist die Mitgliedschaft in einem Fahrlehrerverband. Das spricht für stets aktuelle Informationen und die Angebote von Schulungen (hier findest du den Bundesverband und eine Liste der regionalen Landesverbände).
  • Lehrerwechsel: Besteht in der Fahrschule deiner Wahl die Möglichkeit, den Lehrer zu wechseln? Das kann sinnvoll sein, wenn ihr nicht gut miteinander auskommt.
  • Flexibilität: Sofern du nicht selbstständig tätig bist, müssen die Termine des theoretischen Unterrichts mit deiner Arbeitszeit vereinbar sein – ein wichtiger Aspekt.
  • Empfehlungen: Der beinahe entscheidendste Faktor ist allerdings der Rat von Freunden und Bekannten. Wenn jemand gute oder auch schlechte Erfahrungen mit einer Fahrschule gemacht hat, zählt das meist mehr als die beste Präsentation im Internet.

Welche Einschränkungen gibt es wegen der Corona-Pandemie?

Leider ja, denn das Abstandhalten ist innerhalb des Autos nicht möglich. Fahrschulen sind angehalten, nach jeder Fahrstunde das Fahrzeug zu desinfizieren und FFP2-Masken zu schulen. Zudem erfolgen wöchentlich freiwillige Selbsttests.

Es ist schwer vorherzusagen, ab wann wieder ein regulärer Betrieb stattfinden kann. Unter Beachtung der üblichen Auflagen durften zeitweise Schüler zum theoretischen Unterricht erscheinen. Aktuell kann niemand absehen, wann der nächste Lockdown kommt oder wann sich alles wieder – zumindest vorübergehend – normalisiert hat.

Das bedeutet jedoch nicht, dass du dich nicht bereits jetzt zum Unterricht für den Anhängerführerschein anmelden sollst. Die betreffende Fahrschule wird dich selbstverständlich darüber informieren, wann du die Stunden nehmen kannst.


Ich wünsche dir tolle Wohnwagen- und Wohnmobilurlaube und eine stets gute und sichere Fahrt!

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